Wann haben Sie das letzte Mal einen richtigen Brief erhalten?

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Ich begrüße Sie ganz herzlich zu unserer Online-Predigt.

Heute, am Sonntag Trinitatis, beginne ich mit einem Segenswort des Apostels Paulus:

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen!

Paulus hat seinen 2. Brief an die Korinther mit diesem Segenswort beendet.

Segen, Gnade, Liebe und Gemeinschaft – auf diese Begriffe werde ich auch in der Predigt eingehen.

Und da sich die Predigt auf einen von Paulus verfassten Brief bezieht, möchte ich zunächst mit ein paar Gedanken über die Bedeutung von Briefen beginnen.

Briefe sind heutzutage etwas seltenes. Ich spreche jetzt nicht von Mitteilungen per Email oder per WhatsApp. Und ich meine auch nicht amtliche Briefe, und schon gar nicht solche, die mit dem Hinweis enden:

„Dieses Scheiben wurde maschinell erstellt und ist auch ohne Unterschrift gültig.“

Ein Brief, den mir eine Maschine schickt. Da kommt eher keine Freude auf. Nein, worauf ich hinaus will, das sind richtige, handgeschriebene, persönliche Briefe. Unikate. Die es oft wert sind, aufgehoben und vielleicht auch nochmals gelesen zu werden.

So einen handgeschriebenen Brief zu bekommen ist was besonderes – in der heutigen Zeit.

Das ist vergleichbar mit einem Musikstück, das ich nicht im Radio höre, sondern das mir wirklich vorgespielt wird.
Mir fällt – dazu passend – das Lied von Reinhard Mey ein, worin er singt: „Da lob ich mir ein Stück Musik von Hand gemacht, noch von einem echten Menschen mit dem Kopf erdacht.
Bei dem Lied denke ich auch an meine Mutter. Sie hat die Lieder von Reinhard Mey sehr gemocht. Für Musik und Gespräche war sie immer zu haben.

Als sie im Alter taub wurde und auch nicht mehr telefonieren konnte, da schrieb sie mir hin und wieder einen Brief. In ihrer immer noch gleichmäßigen Sütterlin-Schrift.

Noch bevor ich den Brief geöffnet hatte, ahnte ich: Die Mutter musste sich etwas von der Seele schreiben, und manchmal betraf es auch mich. Vielleicht etwa, dass mein letzter Besuch zu kurz war, oder ich hatte etwas gesagt, was sie verletzt hatte. Oder sie ermahnte mich, dass ich mehr an meine Gesundheit denken müsse, „Du siehst schlecht aus“, schrieb sie einmal. „Sicher schläfst Du zu wenig und arbeitest zu viel.“

Aber ich wusste natürlich, sie meinte es gut und sie sorgte sich um mich. So wie ich das aus der Kinder- und Jugendzeit kannte. Davon konnte sie sich auch im Alter nicht lösen.

Der Briefschluss war immer sehr herzlich:
Es sei ihr wichtig, dass es mir gut gehe, dass sie mich von Herzen liebe und froh sei, dass sie mit mir so offen und ehrlich reden könne.

Warum erzähle ich das, liebe Mitchristen? Weil es in unserem heutigen Predigttext auch um einen Brief geht – genauer gesagt um einen Briefschluss.

Es ist der 2. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth. Damals waren Briefe etwas ganz Besonders. Auch weil der Transport umständlich und langwierig war. Und alle warteten begierig darauf, dass die Briefe in der Gemeinde vorgelesen wurden.

Und zunächst beklagt Paulus in seinem Brief die Querelen in der Korinther Gemeinde, von denen er erfahren hatte. Es ging um Unstimmigkeiten, Streitereien, ja sogar um Intrigen gegen Paulus und er ermahnt die Gemeinde mit deutlichen Worten. Aus seiner Formulierung hört man Enttäuschung und Verärgerung heraus.

Und auch Paulus tadelt ausschließlich deshalb, weil ihm sehr viel an seiner Gemeinde liegt, die er selbst ja ins Leben gerufen hatte.

Es ist Liebe und Sorge, die ihn dazu bewegt, zu ermahnen. Der letzte Teil des Briefes aber klingt versöhnlich und liebevoll ( 2. Kor 13, 11-13: ):
Brüder und Schwestern, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Heiligen. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottesund die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen

Paulus schließt mit dem wunderbaren Segenswort: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“

Vielleicht sollten wir zunächst einmal überlegen: Was ist das eigentlich – ein Segen? Nun, es kommt darauf an, liebe Mitchristen, in welchem Zusammenhang wir das Wort verwenden.

Sprechen wir von einem Segen Gottes, oder von einem Segenswunsch. Wenn wir davon sprechen, dass Gott segnet, so meinen wir damit, dass Gott uns etwas Gutes schenkt. Wenn Menschen im Namen Gottes segnen, dann wird damit ein göttliches Geschenk zugesprochen.

Beim Segenswunsch dagegen geht es nur um ein Anliegen, dass Gott einem anderen Gutes schenken möge. Solche Segenswünsche liest man oft auf Geburtstagskarten.

Sehr beliebt sind auch irische Segenswünsche.
Zum Beispiel: „Möge der Herr dich in seiner Hand halten, aber nie seine Faust zu fest zumachen.“

Das Segenswort des Paulus am Ende seines Briefes ist kein Segenswunsch, sondern ein Geschenk Gottes, das in Vollmacht überbracht wird. Es geht bei dem Geschenk um eine Gabe Gottes, letztlich um unser ewiges Heil.

Und der Geber der Gabe ist der dreieinige Gott:
Der Gottesssohn Jesus Christus, Gott der Vater und der Heilige Geist.

Weil sie nicht zu trennen sind, sondern gemeinsam den einen Gott bilden, sind sie oft mit den Ecken eines Dreiecks verglichen worden.

In älteren Kirchen finden wir manchmal eine symbolische Darstellung der Hl. Dreifaltigkeit, als Auge Gottes in einem Dreieck.

Eine solche Darstellung ist mir in guter Erinnerung geblieben, weil sie mit einem besonderen Erlebnis verknüpft ist:

Auf einer Bergwanderung in Südtirol zusammen mit einem Bergführer und 3 Freunden, suchten wir bei einem heftigen Regenschauer in einer kleinen Kapelle Schutz.
Darin fiel uns besonders eine Deckenmalerei auf, die sich in der Apsis über dem Altar befand und die dieses Auge Gottes in einem Dreieck zeigte.

Wir empfanden das als gutes Omen:
Einer meinte lächelnd: „Seht ihr, Gott hat ein Auge auf uns.“

Und auch mit unserem Bergführer hatte es eine besondere Bewandtnis:
Kennen gelernt hatten wir ihn als Busfahrer. Er fuhr uns über eine enge kurvenreiche Bergstraße sicher in unser Quartier und wir erkundigten uns bei ihm nach einer Bergführung. Er sagte zu, sich darum zu kümmern.

Wir waren angenehm überrascht, als er selbst uns am nächsten Morgen zur Bergtour abholte. Er war auch zugelassener Bergführer.

Wir bewunderten seine Tüchtigkeit: er war ein sehr guter Fahrer und auch ein ausgezeichneter Bergführer. Wir fanden: Er war ein doppelter Gewinn für uns und ließen ihn das auch wissen. Er antwortete lachend: „Da gibt es noch etwas, womit ich euch nützlich sein kann. Ich bin auch noch Rettungssanitäter beim Weißen Kreuz.“

Das Weiße Kreuz gibt es nur in Südtirol und entspricht unserem Roten Kreuz. Da wussten wir: Bei Fortunat – so hieß er – waren wir dreifach gut aufgehoben

Aller guten Dinge sind drei, sagt man. Und dieser Satz bringt uns auch zum Predigttext zurück.

Es geht um die Gnade, die Liebe, die Gemeinschaft Gottes – um diese drei – für uns dreifach erfahrbar in Gott dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Heute feiern wir den Sonntag Trinitatis, das Fest der Dreieinigkeit Gottes. Wir glauben an den dreieinigen Gott.

Wir kennen ihn als den Ursprung aller Dinge, wir erleben ihn als Herrn und gleichzeitig als Bruder, in dem wir die Güte des gemeinsamen Vaters im Himmel erkennen, wir erfreuen uns an ihm als Gottes Geist, als Tröster, als Kraft Gottes, als Liebe.

Der Kirchenlehrer Augustinus suchte überall nach Spuren der Trinität in der Wirklichkeit des Lebens. Er sah in jeder gezeigten Liebe eine Spur der Trinität: Für ihn ist Gott der Liebende (der Vater), der Geliebte (der Sohn) und das beide verbindende Geschehen der Liebe (der Hl. Geist).

Vorhin habe ich von der Darstellung der Trinität in der Form eines Dreiecks gesprochen.

Nun ist es bei einem Dreieck ja eigentlich egal,
in welcher Reihenfolge man die Ecken betrachtet.
In seinem Segenswort benennt Paulus zuerst den Sohn.

Für uns ist doch diese andere Reihenfolge ein guter Hinweis, dass wir uns keine Gedanken darüber machen brauchen, an wen wir unsere Gebete richten können, ob es da eine Priorität zu beachten gilt.

Es gibt nur einen Gott, ein einziges göttliches Wesen, aber es ist kein einsames göttliches Wesen.

Gott existiert in einer inneren Gemeinschaft, einer inneren Zugehörigkeit. Gott ist Beziehung, ja, ein Netz von Beziehungen zwischen Vater, Sohn und Geist und den glaubenden Menschen.

Liebe Mitchristen, für uns heißt das: Was für die heilige
Gemeinschaft Gottes untereinander gilt, das gilt auch für jeden Christen in seiner Beziehung zu Gott. Und wie Paulus betont, auch für die Gemeinschaft der Christen untereinander. Habt einerlei Sinn, haltet Frieden, grüßt euch mit dem heiligen Kuss, so hörten wir vorhin. Das ist wohl eine Umschreibung für die liebevolle und herzliche Beziehung untereinander.

Um es etwas scherzhaft zu sagen:
Küssen war bei uns auch schon vor der Corona-Zeit im Gottesdienst eher nicht üblich. Ich denke, ein herzlicher Händedruck oder derzeit ein freundlicher Blick tun es auch.

Vielleicht noch ein letzter Gedanke, wie man sich die Trinität Gottes ganz vereinfacht vorstellen kann:

Vorhin habe ich von Fortunat erzählt, den wir in Südtirol als Fahrer, Bergführer und Rettungssanitäter kennengelernt hatten. Drei sehr spezifische Funktionen, aber zweifellos handelt es sich um ein und denselben Menschen.

Oder ein noch simpleres Beispiel: Ein Mann kann z.B. Sohn, Vater und Ehemann zugleich sein. Derselbe Mensch in 3 verschiedenen Rollen.

So wird nachvollziehbar, dass die drei Seiten Gottes als Vater, Sohn und Heiliger Geist in einer Gottheit beschrieben werden können, ohne dass aus dem einen Gott drei Götter gemacht werden. Denn das wird von Gegnern des Christentums dem christlichen Glauben immer wieder vorgeworfen und unterstellt.
Die Wahrheit ist: Wir glauben an den einen wahren Gott, der sich in dreifacher Weise offenbart; an den wir uns im Gebet wenden dürfen und der auf unserem Weg mit uns ist.

Möge unser Gott der Liebe, des Friedens und der Gemeinschaft mit euch sein und euch auf diesem Weg begleiten. Amen.

Und nun, zum Schluss, möchte ich Ihnen noch das Geschenk, über das wir soeben gesprochen haben, mit auf den Weg geben,

den trinitarischen Segen:

Es segne und behüte dich
der allmächtige und barmherzige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Einen erholsamen Sonntag und eine gesegnete Woche
wünscht Ihnen
Prädikant Friedhelm Nagel


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