Angedacht

Johannes Dübbelde

Liebe Gemeindemitglieder!

Gott wird nicht arbeitslos

Liebe Leserinnen und Leser, in Amerika sitzen vor Weihnachten in den Kaufhäusern Weihnachtsmänner, die die Kinder der Kunden einladen, zu ihnen auf den Schoß zu klettern und ihnen ihre Weihnachtswünsche ins Ohr zu flüstern. Vor einigen Jahren ereignete sich dabei in einem New Yorker Kaufhaus Folgendes: Ein sechsjähriges Mädchen kletterte dem Weihnachtsmann auf den Schoß – und kam gar nicht wieder herunter. Es redete auf den Mann ein, fragte, hörte zu und redete wieder. Als es schließlich herunterkletterte, fragte die Mutter etwas vorwurfsvoll: „Kind, was hast du denn die ganze Zeit erzählt?“ Darauf die Kleine: „Mama, ich weiß doch, dass er nach Weihnachten arbeitslos ist, und da habe ich ihm von der Stelle in Papas Büro erzählt, die nächstes Jahr frei wird.“

Nach Weihnachten ist der Nikolaus arbeitslos! Vielleicht dachte das Mädchen ja an den Nikolaus als reale Figur, die halt nur vor Weihnachten Arbeit hat und nach dem Verteilen der Geschenke den Rest der Zeit eben nichts zu tun hat. Und wie das Kind am Ende von Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ so erfrischend unbefangen rufen kann: „Aber er hat ja gar nichts an!“, so hat sich auch dieses Mädchen Gedanken gemacht, was denn nach Weihnachten aus Weihnachten wird.

Wie denn Weihnachten und Alltag zusammenpassen. Zu Weihnachten sind wir in besonderer Weise geneigt, aus unserem Alltag herauszutreten und die Probleme, die uns belasten, zu vergessen. Das gehört zu einem Fest dazu, und den einen gelingt es, anderen nicht so gut. Wem es gelingt, dem ist es wie ein Atemholen der Seele, das wir alle einmal brauchen. Aber Weihnachten löst unsere Probleme nicht: Wer vor Weihnachten arbeitslos ist, ist es vermutlich nach Weihnachten auch.

Aber Weihnachten kann uns Mut machen, mit dem, was uns Sorgen macht, anders und neu umzugehen. Zu Weihnachten reden wir von der „Menschwerdung Gottes“. Das heißt, Gott ist Mensch geworden, um sich einzumischen. Er löst nicht einfach unsere Probleme, aber er arbeitet mit uns und durch uns daran. Gott wird nach Weihnachten nicht arbeitslos. Im Gegenteil. Gut möglich ist, dass er auch für arbeitlsose Weihnachtsmänner noch eine Aufgabe findet. Manchmal kann ihm sogar die Gemeinde dabei helfen, wenn sie z.B. nach dem Gottesdienst beim Kirchkaffee über Menschen in unserer Nachbarschaft redet, die z.B. auf Arbeitssuche sind. Meine Empfehlung: Kommen Sie doch mal zum Gottesdienst, wenn Ihre Seele dürstet. Das geht übrigens nicht nur an Weihnachten, sondern an jedem Sonntag im Jahr.

Ihr/Euer Pfarrer
Johannes Dübbelde