Angedacht

Pfarrer Markus Risch

Liebe Gemeindemitglieder!

„Höchste Narrheit ist aus der höchsten Weisheit gewebt.“ So sagte es im 17. Jahrhundert der französische Diplomat La Rochefoucauld. „Ist der närrisch?“ könnte einem beim ersten Lesen einfallen, wenn man auf Hiob hört, der – nachdem er wirklich alles im Leben verloren hat – zu seinen Freunden sagt: „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ (Hiob 19,25; Monatsspruch für den November) Hiob hatte wirklich alles verloren: Seine Kinder, seinen Besitz, seine Gesundheit.

Nicht umsonst ist der Name „Hiob“ selbst sprichwörtlich geworden für jemanden, dem ungeheures Leid widerfährt. Und in dieser Situation geht Hiob ganz zuversichtlich davon aus: Gott wird ihn wieder neu beschenken; er wird ihm Recht schaffen. Nichts anderes bedeutet das Wort „Erlöser“ im Hebräischen – jemand anderes wird dafür sorgen, dass man „ausgelöst“ wird, dass das, was man verloren hat, wieder zurückkommt. Am Ende geschieht auch – völlig wider Erwarten – genau das: Hiob bekommt seinen Besitz zurück. Und mehr noch: Mitten in den tiefsten Tiefen erscheint ihm sein ‚Erlöser‘ – Gott selbst – und spricht zu ihm.

Was den Freunden und vielleicht auch uns auf den ersten Blick ‚närrisch‘ erscheint – es erweist sich am Ende als echte ‚Weisheit‘! So bin ich selbst immer wieder beeindruckt von Menschen, denen ich persönlich begegne, die auch nach schweren Schicksalsschlägen vermögen zu sagen: „Ich  weiß, dass Gott da ist. Er gibt mir Kraft und Trost.“ Das ist für mich die wahre Gotteserkenntnis: Nicht zu erwarten, dass Gott mir immer sofort alle Wünsche erfüllt – sondern zu spüren, dass er da ist, auch wenn mich alles Glück im Leben verlassen hat. So eine tiefe Erkenntnis wünsche ich mir auch, dass ich am Ende immer wieder sagen kann: „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“

So grüßt Sie und euch herzlich
Ihr/euer Pfarrer Markus Risch