Lektüre zwischen den Jahren: Der schöne Augenblick

„Nicht der Tage erinnert man sich“, heißt es bei Cesare Pavese, „sondern der Augenblicke.“ So beginnt der Klappentext in dem kleinen Büchlein, welches ich Ihnen diesmal
wärmstens empfehlen möchte.

Der Insel Verlag bringt jedes Jahr für die Zeit „zwischen den Jahren“ eine Lektüre heraus, die eine Sammlung von literarischen Texten unter einem bestimmten Motto enthält.

Die Reihe der „Lektüre zwischen den Jahren“ gibt es seit 1980 und wer ein kleines, aber literarisch wertvolles Kleinod verschenken möchte, macht hier nichts verkehrt. Gedacht ist dieses Büchlein als sinnvolle Beschäftigung eben zwischen den Jahren, wenn das Weihnachtsfest vorbei ist und Silvester noch nicht begonnen hat. Aber man kann es natürlich jederzeit zur Hand nehmen.

Die aktuelle Ausgabe widmet sich den schönen Augenblicken. Um Ihnen Geschmack auf die Lektüre zu machen, einen Auszug aus Antoine de Saint-Exupéry „Das Wesentliche hat meistens kein Gewicht“: „Die echten Wunder kommen ohne großes Aufheben daher! Die wesentlichen Ereignisse sind schlicht! …In diesem Fall war das Wesentliche offenbar nur ein Lächeln. Dies hier nahm uns auf fabelhafte Weise die Angst vor der Gegenwart. Es schenkte uns Sicherheit, Hoffnung und Frieden.“

Insel Verlag, ISBN 978-3-458-36423-8

(Marina Knieling)

Landraub – Die globale Jagd nach Ackerland

Auf der Rückseite des Buches steht ein Zitat von Mark Twain: „Kaufen Sie Land, es wird keines mehr gemacht.“ Dies ist eine unerschütterliche Wahrheit. Land ist nicht unendlich vermehrbar. Wem Land gehört, dem obliegt nach unserer Verfassung nach Artikel 14 auch eine besondere Verpflichtung. Dort heißt es nämlich: „Eigentum verpflichtet“. Aber nicht in allen Teilen der Welt sieht man das so und dort, wo es keine rechtsstaatliche Verfassung gibt, kann auch kein Anspruch eingeklagt werden. Fruchtbarer Boden und Ackerland sind nicht unbegrenzt verfügbar und damit zu einem Spekulationsobjekt geworden. Ein Wettlauf um diese wertvollen Ressourcen hat begonnen und das hat Folgen. Der Autor Kurt Langbein ist diesem Wettlauf nachgegangen und hat erschütternde Feststellungen machen müssen. Der Fachbegriff für diese Art des Landaneignens ist „Land Grabbing“. Investoren aus Europa preisen den Landkauf in den ärmsten Ländern als sicheres und höchst gewinnträchtiges Investment an. Die Landbevölkerung wird brutal vertrieben. Da die Landbevölkerung zumeist keine Dokumente besitzt, die ihr das Bleiberecht auf dem seit Generationen von ihr bebauten Land sichern, und es damit nicht als ihr Eigentum gilt, gibt es keine Abwehr gegen die Enteignung. Die Agrarindustrie arbeitet auf den enteigneten Böden rein gewinnorientiert und nicht unter ökologischen Gesichtspunkten. Das, was sich aktuell gut auf dem Markt gut verkaufen lässt, wird angebaut.

In seinem Buch belegt der Autor, „dass bäuerliche Strukturen, wenn sie mit modernen Methoden begleitet werden, den Schlüssel für die Ernährung der Zukunft in der Hand haben: Sie schonen die Böden, verbrauchen viel weniger Energie, als sie herstellen, und geben Millionen Menschen Arbeit und Perspektive.“ Aber damit lässt sich kein Profit machen. Hunderttausende Menschen verlieren jedes Jahr mit dem Boden Lebensgrundlage und Arbeitsplatz. Sie strömen in die Städte, wo sie aufgrund der fehlenden Arbeitsmöglichkeiten verelenden. Flüchtlingsströme sind die Folge. Die industrielle Landwirtschaft verbraucht zuviel Energie und trägt zum Treibhauseffekt bei. Neben den Böden sind Wasser und Düngemittel auch knappe Güter und ihr Einsatz in der industriellen Landwirtschaft ist höher als der Ertrag.

Es geht auch um Ressourcenverschwendung. Gleichzeitig werden drei Millionen Hektar Ackerland jedes Jahr weltweit verbaut; mehr als doppelt so viel, wie Österreich Ackerland hat. Das Buch von Kurt Langbein will mit Sicherheit nicht deprimieren. Es will ein Bewusstsein schaffen, wohin der unbegrenzte Verbrauch, die intensive Landwirtschaft und die fehlende Ressourcenschonung führen. Er appelliert an Politik und jeden Einzelnen, wo möglich, Einfluss zu nehmen und vom kurzfristigen Profitdenken Abstand zu nehmen. Nur so kann es eine Zukunft für alle geben.

Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch eine Fortbildung für Prädikanten in diesem Jahr. Da haben wir uns mit dem Land aus biblischer Sicht befasst. Gott hat dem Menschen das Land gegeben. Und damit war auch immer eine Verpflichtung verbunden.

2. Mose 23, 10-11 „Sechs Jahre sollst du dein Land besäen und seine Früchte einsammeln. 11 Aber im siebenten Jahr sollst du es ruhen und brach liegen lassen, dass die Armen unter deinem Volk davon essen; und was übrig bleibt, mag das Wild auf dem Felde fressen.“

Kurt Langbein
ecowin,
ISBN 978-3-7110-0073-6

(Marina Knieling)

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