Liebe Leserinnen und Leser,

das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL steht nicht unbedingt in dem Ruf, gesellschaftlichen Optimismus zu versprühen. Zu nachhaltig sind die Erfolge des Blattes z.B. im Aufdecken von Skandalen. Umso mehr überraschte das Blatt in seiner Ausgabe zu Beginn der fünften Woche des Corona-Stillstands mit einem Aufmacher, der an Optimismus kaum noch zu überbieten ist: DER AUFBRUCH – Jetzt oder nie: Der Corona-Schock birgt die Chance auf eine bessere Welt.

Unter dieser vielversprechenden Schlagzeile findet sich das Bild einer glanzvollen Weltkugel, die aus einem wie von Pilzen befallenen Coronavirus strahlend hervorbricht wie eine Kastanie im Herbst aus ihrer welken und stachligen Schale. In der Titelgeschichte werden die Krisen dieser Welt nicht als Gefahr, sondern als Chance begriffen: Umweltzerstörung – hat endlich ein Ende! Die Verschwendung von Rohstoffen – vorbei! Fridays for future: Endlich ernst genommen! Produzieren vor Ort statt billig aus Übersee und trotzdem bzw. erst recht: Gerechter(!) Handel weltweit statt Ausbeutung Vieler durch einige Wenige!

Wie kann es sein, dass wir Menschen durch einen winzigen Virus eventuell doch noch zur Vernunft kommen werden? Weil dieser kleine Virus, so DER SPIEGEL, das Zeug hat, der ganzen Menschheit auf eine sehr nachhaltige Weise klar zu machen, dass wir verletzliche Wesen sind, zerbrechlich und am Ende dieses Lebens dem Tod anheim gegeben. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, wenn Sie z.B. im öffentlichen Raum einen Mund-Nasen-Schutz aufsetzen (müssen). Ich persönlich vermute, dass mich eine solche Verkleidung permanent an meine eigene Sterblichkeit erinnern wird.

„Memento mori“, so lautet eine in jüngster Zeit wieder häufiger zitierte, Jahrtausende alte Weisheit: Mensch gedenke, dass du sterben musst. Das ist wohl wahr, aber dabei muss es nicht bleiben. Als meine eigene Mutter starb – ausgerechnet am 15. März 2020, dem Sonntag des bundesweiten „Corona-Shutdowns“ mit u.a. dem Verbot von Gottesdiensten in Kirchen – war der Predigttext, über den ich hätte predigen sollen, u.a. ein Satz aus dem Lukasevangelium:

Jesus Christus spricht: „Lass die Toten die Toten begraben, du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes…(und) wer die Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“. So ist das also: Wer den Problemen dieser Welt zum Trotz nicht rückwärts, sondern nach vorne schaut, der hat Gott auf seiner Seite.

In diesem Gemeindebrief finden Sie einige Seiten, auf denen wir zeigen möchten, wie wir als Kirche und als Gemeinschaft von Glaubenden versuchen, auch in dieser kommunikationserschwerten Corona-Zeit: GEMEINDE ZU LEBEN. Mein Vorschlag an uns alle lautet: Dabei-Bleiben, wir brauchen uns!

Ihr Pfarrer

Johannes Dübbelde

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